Wichtiges Schmüsele |
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| Vor gut zehn Jahren kamen in der Schweiz die ersten Welpen in den Genuss von Spielstunden unter ihresgleichen. Das Konzept der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft hat sich im Laufe der Zeit verändert: Neuere Erkenntnisse wurden in die Ausbildung aufgenommen. Grund genug für den Verein Pro Junghund, zur Information über die aktuelle Ausbildung einzuladen. |
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| Vreni Trachsel |
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| Zentrales Ziel der Welpentreffen ist nach wie vor das Spiel mit Gleichaltrigen. Jedoch: Wie lang soll es dauern, ohne die noch längst nicht verknöcherten Gelenke des Hundes zu sehr zu strapazieren? Welche Alterskategorien, Entwicklungsstufen und Charaktere fügt man in einer Gruppe zusammen? Wie gross soll diese sein? Vor allem aber stellt sich die Frage: Wann erwirbt und trainiert ein Welpe aggressives Verhalten, das ihm später zum Verhängnis werden könnte, weil er zu lange von anderen bedrängt wurde? Welche Platzgestaltung bietet Rückzugsmöglichkeiten und damit Schutz vor Konfrontationen? Wann greifen die leitenden Personen ins Geschehen ein oder brechen grobes Spiel ab? Allgemein gültige Antworten gibt es nicht auf diese Fragen denn es gelten nur beschränkt feste Regeln. Vieles steht und fällt mit der Qualifikation und der Beobachtungsgabe der Leiterinnen und Leiter. Fest steht: Zu langes Spiel kann der Entwicklung eines Welpen mehr schaden als nützen. Zuoberst steht das Vertrauen Einen hohen Stellenwert innerhalb einer Welpenspielstunde hat erfahrungsgemäss die Beratung der Personen und Familien, welche ihren kleinen Hund herbringen. Dabei geht es nicht nur um Fragen bezüglich Sauberkeit und Nachtruhe, der Angst vor Lärm oder fremden Personen - sondern auch darum, die Bedürfnisse des Welpen wahrzunehmen und zu respektieren: Die Notwendigkeit von Ruhephasen und Geborgenheit, der Sinn von Tabus, der angeborene Wunsch nach Regeln in der neuen Gemeinschaft. Vor lauter Freude vergisst man oft, wie viel Neues das süsse Lebewesen zu verkraften hat und dass es einige Zeit braucht, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und zu festigen. Ein Problem wird immer wieder von Teilnehmenden angesprochen: "Was mache ich bloss, wenn mein Welpe ausser Rand und Band ist und nicht zur Ruhe kommt? Und das in diesem Alter, wo ich den Kleinen nicht mit Spaziergängen müde kriegen sollte." Tatsächlich - man bemerkt es nur im Sommer - sind oftmals die Arme der Fragenden gezeichnet von Kratzern und Wunden. "Beisshemmung" und "Selbstkontrolle" sind in den Kinderschuhen stecken geblieben, obwohl sie von Natur aus überlebenswichtig wären. Wölfe würden das Rudel aufs Spiel setzen und dadurch ihr eigenes Überleben gefährden, wenn sie sich gegenseitig verletzten oder töteten. Deshalb sind sie gezwungen, ihre Jungtiere entsprechend zu erziehen: Jedes Zupacken wird mit einem Schrei quittiert. Zudem muss der Nachwuchs lernen, sich auf die Veranlassung der erwachsenen Tiere still zu halten. Wieso soll also ein Welpenbesitzer seine Hände, Beine und Kleider widerspruchslos den scharfen Zähnen des Gegenübers ausliefern? Eine entsprechende Reaktion ist angebracht und soll den Welpen lehren, nicht zuzupacken. Stillliegen als Erziehungshilfe Verhaltenstherapeutin und Referentin Linda Hornisberger rät zudem zum sogenannten "Schmüsele", um dem Geschehen eine andere Wendung zu geben: Die Bezugsperson setzt sich zum Welpen auf den Boden, nimmt ihn zwischen die gegrätschten Beine und streichelt ihn. Wenn möglich wird er sorgfältig auf den Rücken gedreht und am Hals gekrault. Streicheln und lobende Worte als Belohnung gibt es nur fürs Stillhalten! Verschüchterte Welpen dürfen jedoch keinesfalls unter Zwang auf den Rücken gekehrt werden. Das Vorgehen sowie die Dauer variiert und wird individuell angepasst. Unter Umständen kehrt eher Ruhe ein, wenn einer vorerst bloss neben seinem Halter auf der Seite liegt und sich dafür vollständig entspannen kann. Entscheidend ist, dass jeder Hundehalter, jede Hundehalterin, lernt, den Hund sanft aber bestimmt zu halten und seinem Tun Grenzen zu setzen. Egal wie lang die Sequenz dauert, ihr Ende wird vom Menschen bestimmt. Ganz nach dem Motto: Jeder Hund muss sich im Laufe seines Lebens aus verschiedensten Gründen anfassen lassen. Wir lehren ihn, es zu geniessen. Wozu das Ganze? Zum einen zwingen banale praktische Überlegungen dazu: Immer wieder wird es nötig sein, vom Hund eine Zecke zu entfernen, den Reinigungszustand der Ohren zu überprüfen, den Hund in der Tierarztklinik vorzustellen. Zum Andern fördern solche Übungen, sorgfältig angewandt, das Vertrauen zwischen den beteiligten Sozialpartnern. Die Handlung als solche ist jedem Welpen längst vertraut und daher keine Zumutung: Bereits in den ersten Lebenstagen wurde er auf dem Rücken liegend von der Zunge seiner Mutter massiert, damit die Verdauung in Gang kam. Er lag entspannt, gab sich der vertrauten Mutter hin und erleichterte sich dabei. Später, während der Aufzucht, erlebte er gelegentlich eine Lektion eines erwachsenen Rudelmitgliedes: Wer sich daneben benimmt, muss auf dem Rücken liegend still halten, bis die Angelegenheit in den Augen des andern bereinigt ist. |
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Goldene Regeln zum "Schmüsele"
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| Vreni Trachsel mit freundlicher Genehmigung von HUNDE | ||||
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